In manchen politischen Winkeln ist die Ansicht vorherrschend, die Umverteilung zu forcieren, »bis es schmerzt«. Da könnte man ja auch gleich sagen, bis die Gesellschaft kippt. Bestimmte Politiker haben es verstanden, im Normalbürger so etwas wie ein schlechtes Gewissen zu erzeugen, wenn er ein paar Kröten mehr hat als andere. Man hat es darauf abgestellt, in dem fleißigen, sparsamen und etwas besser dastehenden Mitmenschen ein Gefühl zu entwickeln, er sei ein schlechter Mensch, halbwegs ein Krimineller. Wenn er etwas mehr hat als andere, kann er dies ja nur auf unredlicher Basis erworben haben.
Und so muß der Strebsame alle Tage erneut befürchten, daß man ihn an den Pranger stellt, ihm sein sauer Erworbenes legal oder auf kaltem Wege wieder abnimmt.
Sicher gibt es Menschen, die ihren Reichtum auf unredlichem, oft gar zweifelhaftem Weg erworben haben. Aber daß regelmäßig Sparsamkeit und Fleiß dazu beitragen, etwas zu besitzen, kommt den Umverteilern nicht in den Sinn.
Meinte ein für seine Sprüche bekannter, biederer Handwerker: »Wenn mir jemand in die Geldbörse greift, ist das Raub - wenn der Staat mir in die Taschen greift, ist das Politik.«
Wer schon ein schlichtes Einfamilienhaus sein Eigentum nennt, steht für die Mehrzahl der Umverteiler jenseits von »Gut«. Wer ein komfortables Einfamilienhaus besitzt, klar, der muß in die Zange genommen werden. Vielmehr noch wirft man natürlich ein Auge auf den, der ein Mehrfamilienhaus sein eigen nennt. Der ist ohne jede Einschränkung ein Kapitalist, ein Ausbeuter seiner Mieter.
Gleiches gilt für die Besitzer vom Wertpapieren, auch wenn man derzeit, teils im Blickwinkel unterschiedlicher politischer Ziele, den Aktienbesitz toleriert. Für den typischen Umverteiler ist der Aktionär immer noch der Vampir der Gesellschaft. Was den Normalbürger in Angst und Schrecken versetzt, ist der Umstand, daß ihm niemand klar und verbindlich erklärt, wo die Umverteilung ansetzen soll.
Niemand erklärt den Menschen, daß Kapital notwendig und die Grundlage wirtschaftlichen Schaffens ist. Die Theoretiker haben es zwar auf der Universität gehört, bisweilen leuchtet es ihnen sogar ein, aber sie vermögen es einfach nicht zu akzeptieren. Selbst eingefleischte Umverteiler haben diffuse Vorstellungen, wie man es anstellen soll, vor allem, wie weit man gehen darf, ohne die Kuh zu schlachten, die die Milch gibt. Sie nehmen für sich die Freiheit in Anspruch, die Menschen im Unklaren zu lassen - so ihre Taktik. Einer sehr naiven politischen Richtung liegt das Umverteilen mehr als das Sparen.
Wo fängst die Umverteilung an, wo hört sie auf? Aufhören, so die Ideologen, nie. Wo man anfängt, da möchte man sich nicht festlegen. Gerade die erzeugte Unsicherheit ist es, die gute Bürger entsetzt und belastet. Man möge sich doch einmal vor Augen führen, wieviel mehr geleistet würde, wenn man den Menschen die Ungewißheit nähme. Auch wieviel mehr der Gesellschaft zur Verfügung stehen könnte.
Von Zeit zu Zeit tauchen immer wieder neue Schreckgespenster am Horizont auf. Man läßt sich laufend Neues einfallen, um den Vorwärtsstrebenden, den Gutmeinenden, einzuschränken. Es ist auch zu einfach und zu bequem, vom grünen Tische aus immer wieder neue Ballons zu starten - bis man schließlich selbst wohlbehalten und sicher in den warmen Pfründen sitzt und sich als Wohltäter der Menschheit fühlt.
Zu leichtfertig wird vergessen, daß Wohlstand dort stattfindet, wo die Menschen etwas schaffen können, der Mensch sich entfalten kann, die Kreativität gefördert wird.
Vor einigen Jahre war es der Gedanke, den geldlichen Mehrwert des Eigentums schlechthin abzuschöpfen. Selbst Eigentümer kleiner, selbstbewohnter Einfamilienhäuser hat man schlaflose Nächte bereitet; dies vor allen Dingen, weil niemand genau erklärte, was und wieviel zur Debatte stand, wieweit man gehen wollte und aus welchem Grund. Man warf mal wieder alles in einen Topf.
Wenn das Einfamilienhäuschen innerhalb Jahresfrist einen höheren Wert auswies, weil eben alles teurer wurde, sollte auch der Kleinbürger mit seinem selbstbewohnten Einfamilienhaus den entstandenen »Mehrwert« abführen. Wie der aufzubringen war, darüber machten sich die Umverteiler keine Kopfschmerzen.
Fürchtete der Eigentümer eines kleinen Einfamilienhauses: »Die nehmen uns noch die Dachpfannen vom Dach.«
Es kam dem Bürger mal wieder in den Sinn: Wer alles verfrißt und versäuft, ist der Kluge, der Sparsame der Dumme. Die cleversten Faulpelze, die ohne Arbeit über die Runden kommen und in den Talk-Shows gefeiert werden, werden ob ihrer Raffinessen bewundert, weil sie die Gesetze kennen und zu ihrem Vorteil nutzen. Wen wundert es da noch, wenn uns die Talente den Rücken kehren.
Ein praktisches Vorbild fand man in der sogenannten Hauszinssteuer der zwanziger Jahre, die seinerzeit nach verlorenem Krieg und Inflation zwar nicht unbedingt sozialem Ausgleich gedient hatte, aber jahrelang für den Staat eine willkommene Einkommensquelle war. Dem modernen Umverteiler, der selbst vor dem kleinen Häuschen nicht Halt machte, durfte man nicht mit der Frage kommen, was denn sei, wenn der Wert des Häuschens einmal zurückginge - ob dann der Staat auch für einen Ausgleich sorge. Eine solche Frage wurde fast als anstößig empfunden. Man konnte es sich einfach nicht vorstellen, daß die Zeiten auch mal kritischer würden. Vom Staat etwas zurückzubekommen, paßte nicht in ihr Konzept.
Was würde es bringen, umzuverteilen? Es wird immer wieder mit dem Schreckgespenst, 3% der Bürger verfügen über 80 % des Produktivvermögens, operiert. Würde es besser sein, wenn 100 % der Bürger oder auch nur 50 % Sachunkundiger hierüber verfügen könnten? Ein Chaos wäre die Folge. Je mehr man in den Handlungsspielraum der Wirtschaft eingreift, um so mehr beschränkt man deren Interesse.
Eigentum ist weitgehend zweckgebunden, in Grund und Boden und Aufbauten investiert, in betrieblichem Vermögen angelegt. Wird umverteilt, so stellen sich die Begünstigten ein besseres Leben, mehr Konsum vor. Wie setze ich Immobilien, Aktien in Wein, Fleisch und Brot um? Verkaufen?
Aber wer kauft schon unter dem Druck von Umverteilungsmaßnahmen?
Immobilien und Aktien lassen sich nicht aufessen, und das war es doch, was man wollte. Wenn ich die Güter verschleudere, bringt das gar nichts. Man kann natürlich die Vermögen unangetastet lassen und lediglich aus den Vermögen Nutzen ziehen.
Zieht man über Gebühr Nutzen aus den investierten Gütern, unterbleiben die notwendigen Investitionen, die Güter verrotten, sind weniger wert, produzieren weniger, die Wirtschaft ist weniger wettbewerbsfähig. Im übrigen haben es die Staats-Monopole im Osten gezeigt, was aus einer Wirtschaft ohne unternehmerische Fasson wird.
Also bliebe bei vernünftiger und folgerichtiger Betrachtung nur das eine: Den Nutzen aus den Gütern der Wirtschaft anders aufzuteilen, das Einkommen der Eigentümer zu schmälern. Abgesehen davon, daß der Gewinn zu erheblichen Teilen wieder investiert wird und so dem allgemeinen Wohlstand dient, würde das Kapital sich zurückziehen und andere, lukrativere Märkte suchen und auch finden.
Wem wäre also mit der Umverteilung gedient?