Gabriele Wiggen-Jux

Britisch-Kurzhaar-Eskapaden






Der >Profession< des Züchters, auch des Hobbyzüchters, der nur drei oder vier Würfe pro Jahr hat, eilen die düstersten Schreckbilder voraus. Wobei bei Züchtern eigentlich nicht die Rede sein sollte von berufsmäßiger Ausübung. Ein guter Züchter ist mit Neigung und Hingabe bei der Sache. Das Geld, das er irgendwann für die Kitten bekommt, ist für ihn nicht der Beweggrund, warum er Katzen züchtet. Solche Züchter, die mit viel Herzblut und Engagement bei der Sache sind, sind meist Hobbyzüchter, die Ihre Zucht neben einem normalen Beruf betreiben. Er liebt sein Hobby Katzenzucht und zahlt nicht selten, trotz der für Außenstehende mitunter astronomisch hoch wirkenden Preise für seine Katzen, noch drauf. Und das nimmt er in Kauf, denn Hobbys kosten Geld. Die Freude am Züchten zählt, nichts anderes. Kaum jemand, der Katzen mit dem nötigen persönlichen und finanziellen Einsatz züchtet, kann allein davon leben.

Für Sie steht felsenfest: Einem profitgierigen Tierquäler, der sich nur zum Schein Züchter nennt, möchten Sie keineswegs in die Fänge geraten. Mit dem Kauf einer Katze aus einer solchen >Zucht< würden Sie nicht nur die unlauteren, verwerflichen Zuchtmethoden des indiskutablen Züchters unterstützen. Das in liebloser Umgebung und an Menschen nicht gewöhnte Katzenkind wäre, wenn nicht sowieso schon krank, womöglich verhaltensgestört und bliebe es, wahrscheinlich ein Leben lang. Um das erfolgreich zu kurieren, würden vermutlich nicht einmal lebenslängliche Therapiesitzungen beim Katzenpsychiater helfen. Katzenkinder von &Mac221;zwielichtiger&Mac220; Herkunft haben mit großer Wahrscheinlichkeit Gesundheitsschäden, Defekte, die sie möglicherweise lebenslänglich körperlichen Leiden aussetzen, und Sie dann Unmengen an Zeit und Geld für Tierarztbesuche kosten. Von den Sorgen, die man sich über ein permanent krankes Tier macht, will ich gar nicht sprechen. Auch nicht davon, dass manche Tierseuche in Ausnahmefällen nicht nur auf andere Tiere, sondern ebenfalls auf den Menschen überspringt. Mit dieser Horrorvision lasse ich Sie einen Augenblick allein. Lassen Sie Ihrer Fantasie ruhig freien Lauf, was da so alles passieren könnte...

Gut, ich denke, das hat geholfen. Jetzt sind Sie vollends überzeugt. Sie achten genau darauf, in welche Züchterhände Sie sich begeben.

Ein Katzenkitten braucht in den ersten drei Monaten seines Lebens den Kontakt und die liebevolle Fürsorge seiner Mutter, von der es viel lernt, und zugleich den Kontakt zum Menschen. So wird es zu einem gut sozialisierten, gesunden, neugierigen Katzenkind. Wie bereits gesagt, ein stabiles Elternhaus ist eine gute Voraussetzung für ein glückliches, erfülltes weiteres Leben. Das gilt nicht nur für Katzen.

Mit der Auswahl einer Katze, die Sie ja lange behalten wollen und nicht mal nur so probeweise, weil Ihnen gerade diese Woche nach Katze oder noch einer Katze zumute ist, nächste Woche aber eher nach Kaninchen, geht es um ein Lebewesen mit Ansprüchen und Bedürfnissen, die es zu erfüllen gilt. Sie ist kein Ding, das man hat und bei Nichtgefallen in den Keller stellt oder woanders leicht loswird. Eine Katze ist ein Mitbewohner, mit dem Sie fortan durch Dick und Dünn gehen, mit allen Konsequenzen, die dazugehören. Doch wem erzähle ich das? Sie haben ja bereits ein Exemplar dieser Spezies, und für das würden Sie einfach alles tun. Sie kennen den nur allzu wahren Spruch: >Wenn die Katze gesund ist, freut sich der Mensch.< Ihnen ist sehr am Wohl Ihrer Katze gelegen. Sonst wollten Sie jetzt nicht eine weitere haben. Auch wenn Sie Ihre neue Katze noch nicht kennen, können Sie das sicher schon sagen.

Also, schlussfolgern Sie messerscharf: Wenn Sie sich für die Anschaffung einer Rassekatze entschieden haben, sollte Ihnen wichtig sein, dass Sie aus einer richtig guten Zucht kommt. Sie soll körperlich und seelisch gesund sein. Und da, finden Sie, darf sie durchaus ihren Preis haben. Was beispielsweise für Lebensmittel gilt, ist ein wenig auch auf Katzenaufzucht zu übertragen – was billig ist, kann nur billig produziert worden sein. In beiden Fällen – bei Tieren wie bei Lebensmitteln, kann das daraus resultierende Produkt für den >Endverbraucher< fatale Konsequenzen zeitigen. Eine reinrassige Britisch-Kurzhaar aus einer guten Zucht kann ohne Weiteres 600 bis 800 Euro kosten. Wem das zu teuer ist, der sollte vielleicht lieber auf eine Britisch-Kurzhaar-Mischlingskatze oder eine natürlich schöne Hauskatze zurückgreifen. Diese sind nicht nur preiswerter, sondern häufig sogar kostenlos erhältlich. Im Regelfall sind sie nicht so degeneriert wie manche BKH und haben garantiert keine Erbkrankheiten. Sie sind weniger anfällig für Krankheiten, die Sie unter Umständen künftig ein Heidengeld kosten können. Außerdem sind Hauskatzen schön und oft wunderbar einfallsreich, um nicht zu sagen, kreativ.

Wenn Sie sich für eine Rassekatze entschieden haben, denken Sie bitte an den Grundsatz, dass nicht alles, was teuer ist, automatisch gut sein muss. Die >bösen< Züchter fordern mitunter ebenfalls Höchstpreise für ihre Katzenjungen. Deshalb und weil es immer gut ist, wenn man im Leben in bestimmten Situationen etwas hat, woran man sich festhalten kann, gebe ich Ihnen im Folgenden eine kleine Checkliste an die Hand. So unterscheiden Sie den guten vom schlechten Züchter, damit Sie bei Ihrem ersten Besuch in einer Katzenzucht die auf Sie einströmenden Eindrücke leichter einsortieren und für sich bewerten können.