Horst Hustert

Der Rivale des Pharaos

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Es war Spätnachmittag, als wir bei der Totenstadt ankamen. Wir hatten einen größeren Umweg gemacht. Thutmosis und Intef handelten umsichtig und überlegt. Den Haupteingang mit ihren Wachen mieden sie. Deswegen wurde in der Totenstadt ein weiterer Umweg gemacht, vorbei an anderen Gräbern, bis wir zum Grab von Thutmosis II. kamen. Die Pferde hatten wir eine Weile vorher in eine der vielen versteckten Felsnischen geführt. Intef bestimmte einen der Soldaten, als Wache bei den Pferden zu bleiben. Der machte ein nicht gerade glückliches Gesicht. Er wagte es natürlich nicht, sich dagegen aufzulehnen.

Nun übernahm Thutmosis das Kommando. Er bildete zwei Gruppen. Eine wurde von ihm und die andere von Intef angeführt. Thotmes und ich gehörten zu der Gruppe von Intef. Wir gingen langsam hintereinander, jeden Felsen als Sichtschutz ausnutzend, in Richtung des Grabes. Bei dem Gespräch zwischen Intef und Thutmosis hatte ich gehört, dass sich die beiden Gruppen in der Nähe des Grabeingangs auf Sichtnähe treffen sollten. Dadurch wurde der Eingang und auch die Stelle, von wo aus sich die Räuber Eingang verschafft hatten, in die Mitte genommen. Intef führte uns sehr gut. Er nutzte jeden größeren Felsen als Deckung. Außer verdorrten Sträuchern umgab uns nur Wüste.

Wir waren ungefähr das Maß einer halben Sanduhr gegangen, als mir seitlich von uns, wohl vom Haupteingang kommend, Fußspuren auffielen. Ich schaute zu Intef nach vorn. Er ging unbeirrt weiter. Entweder hatte er sie nicht gesehen oder, und das schien mir wahrscheinlicher, er beachtete sie nicht. Ich überlegte. Sollte ich es ihm sagen? Lachte er mich aus? Verderben wollte ich es mir wirklich nicht mit ihm, denn ich mochte ihn. Intef war nicht irgendein Hauptmann. Ich hatte den Eindruck, er und Thutmosis waren freundschaftlich miteinander verbunden. Wenn er auf mich sauer war, konnte das für mich schwierig werden. Den Gedanken verwarf ich gleich. Auf dem Ritt vom Meer, vorbei an der Goldmine nach Theben, hatte er sich so nett um mich, das Kind, das gerade, nach seinen Worten damals, aus der tiefsten Wildnis kam, gekümmert. Selbst später, wenn ich Probleme bekam, hatte Intef mir stets geholfen.

In meinem tiefsten Innern war eine Stimme, Rams Stimme, die mir als Kind bei den Erkundungen nach Wild nachdrücklich gesagt hatte: wenn du etwas siehst, was du nicht verstehst, fragen, nachschauen, erkunden. Nie etwas für selbstverständlich ansehen.

Das half mir. Ich überholte meine beiden Vordermänner und schloss zu Intef auf. Er hatte es bemerkt und schaute mich fragend an. Ich zeigte auf die Fußspuren. Er blickte mich verständnislos an.

»Dort sind Menschen gegangen. Mehrere! Lass uns nachsehen, wie viele es waren.«

»Geht das denn?«, staunte Intef.

Jetzt war es an mir, erstaunt zu sein. Intef, ein guter Soldat, maß den Fußspuren keine Bedeutung zu!
»Natürlich, lass mich nachsehen«, drängte ich.

Er nickte. Vorsichtig, um die Spuren nicht zu verwischen, ging ich ein paar Mal seitlich neben ihnen her. Intef folgte mir. Es war leicht, denn die Spuren waren nicht alt. Es wehte ein heftiger Wind. Aber die Abdrücke waren nur wenig zugeweht. Ich winkte Intef zu.

»Neun verschiedene Abdrücke. Sie sind erst vor kurzem hier entlanggegangen.«

Intef schaute mich perplex an. »Bist du sicher?«

Ich sah wohl ziemlich beleidigt aus, als er einlenkte und laut überlegte: »Ihr sagtet, dass ihr neun Männer gezählt habt.«

Ich nickte und Thotmes, der inzwischen zu uns gekommen war, bestätigte es mit einem Kopfnicken.

Intef sprach weiter mit uns, als wären wir wie er Offiziere der Palastwache.

»Thutmosis und ich sind davon ausgegangen, dass die Räuber erst kommen, wenn die Sonne untergegangen ist. Wenn es stimmt, was du von den Spuren sagst, könnte womöglich Thutmosis mit seiner Gruppe von den Räubern gesehen werden. Dann würden sie sich natürlich hüten, heute etwas zu unternehmen. Pass auf, Sen! Ich glaube, wir müssen Thutmosis warnen. Du bist der richtige Mann dafür! Wir warten hier und du versuchst unbemerkt zu Thutmosis zu kommen, um ihm Bescheid zu geben. Du weißt, worum es geht. Also, sei vorsichtig!«

Ich hatte bei seinen Worten ein bedenkliches Gesicht gemacht. Denn mir war durch den Kopf gegangen, wenn ich, ein Nichts, zu dem Kronprinzen kam, würde er mir überhaupt glauben?

»Geh nur.« Intef nickte mir zu. »Sag ihm, was du mir gesagt hast. Er wird dir glauben! Wir warten, bis du zurückkommst. Vielleicht siehst du unterwegs etwas, was für uns wichtig sein kann.«

Vorsichtig machte ich mich auf den Weg. Wie ich es früher bei Ram gelernt hatte, versuchte ich jeden Strauch und jeden Felsbrocken als Deckung zu benutzen. Es war zwar Jahre her, aber ich hatte das Gefühl, als wäre es erst gestern gewesen, dass Ram mir seine Anweisungen gab.

Die Fußspuren waren deutlich zu sehen, ich konnte sie nicht verfehlen. Das Problem war, dass die Räuber in der Nähe sein konnten. Hinter jedem größerem Felsen oder hinter einem Mauervorsprung konnten sie sich aufhalten und mich überraschen.

Gestern Abend waren sie unvorsichtig an Thotmes und mir vorbeigegangen, hatten sich sogar laut unterhalten. Das waren keine Jäger, die sich an ein Wild heranpirschen konnten. Deswegen wuchs meine Zuversicht, nicht entdeckt zu werden. Es war nicht schwierig festzustellen, wohin die Spuren verschwanden. Trotzdem durfte ich die Räuber nicht unterschätzen.

Plötzlich waren die Spuren verwischt worden. Ganz in der Nähe des Grabeingangs. Bis zum Eingang selbst war nichts mehr zu sehen. Vorsichtig näherte ich mich. Es sah so aus, als ob wirklich längere Zeit niemand hier gewesen war. Am Eingang fand ich sogar Spinnennetze. Ich dachte an den gestrigen Abend, weil ich da gleich das Gefühl hatte, dass die Männer ein Stück hinter dem Eingang aufgetaucht waren.

Auf allen vieren kroch ich langsam vorwärts. Ich hatte vergessen, wie heiß der Sand war, obwohl die Abendkühle einsetzte. Beinahe hätte ich laut geflucht, denn meine Handflächen brannten entsetzlich. Höchstens einen Steinwurf vom Eingang entfernt, sah ich hinter einem Felsen, der sich seitlich am Grab befand den Schatten eines Menschen!
Jetzt war die Frage, ob das jemand von Thutmosis Gruppe oder eine Wache der Räuber war?

Intef und Thutmosis, das wusste ich, hatten verabredet, sich jeweils seitlich vom Grabeingang eine geeignete Stelle zu suchen. Ich wartete, in der Hoffnung, dass der Mann hervorkam und ich ihn erkennen konnte.

Es dauerte nicht lange und er machte ein paar Schritte vorwärts und schaute vorsichtig nach links und rechts. Es war einer der Soldaten!

Trotzdem war ich, als ich auf ihn zuging, sehr achtsam. Die Räuber mussten in der Nähe sein und gerade mich sollten sie natürlich nicht entdecken. Der Soldat sah mich erst, als ich direkt um den Felsbrocken herumging und vor ihm stand. Er bekam einen gehörigen Schreck. Ich wollte ihn nicht in Verlegenheit bringen und wisperte: »Bringe mich zu Thutmosis. Ich habe eine Meldung von Intef.«

Er nickte und ging vor. Thutmosis hatte eine gute Stelle zum Warten gefunden. Hier war eine Ansammlung von großen Felsbrocken, in deren Schatten die anderen Soldaten lagerten.

Thutmosis schaute ganz erstaunt, als er mich sah, deswegen flüsterte ich sofort: »Intef schickt mich, ich soll dir sagen, dass die Räuber vor uns angekommen sind und sich wahrscheinlich in der Nähe befinden.«

»Wie kommt er darauf?«

Ich erzählte von den Spuren, die ich gesehen hatte. Ich hatte zwar mitbekommen, dass alle, außer Intef, wenn sie mit Thutmosis sprachen, ehrfurchtsvoll unter tiefen Verbeugungen auf ihn zugingen oder ihn ansprachen. So unterwürfig zu sein, lag mir überhaupt nicht.

»Weshalb hat er dich hergeschickt?«, wollte Thutmosis wissen. »Warum keinen der Soldaten?«
Warum sollte ich mit meinem Können hinterm Berg halten? Sein überheblicher Ton und seine wohl angeborene herrische Art gingen mir quer.

»Intef meint, dass ich mich besser als eure Soldaten ungesehen anschleichen kann. Und wegen der Fußspuren, deren Bedeutung nur ich erkannt habe.«

Thutmosis äußerte sich nicht, obwohl es den Anschein hatte, als ob er etwas Bestimmtes dazu sagen wollte. Mir wurde ein bisschen mulmig zu Mute. Hatte ich den Bogen überspannt?

Scheinbar hatte er sich dann anders besonnen, denn er murmelte: »Gut, lass mich überlegen. Ich denke, wir warten die Dunkelheit ab. Dann werden beide Gruppen von der Stelle, wo sie jetzt lagern, in Richtung Grabeingang vorgehen. Wer die Stelle zuerst entdeckt, wo die Verbrecher in das Grab eingestiegen sind, unternimmt zunächst nichts. Erst muss die andere Gruppe informiert werden, damit wir dann gemeinsam vorgehen können. Gehe vorsichtig zurück und informiere Intef.«

Ich war fast auf dem Weg, als mir etwas einfiel. »Moment, da ist noch etwas! Hatten wir das nicht gestern gesagt?«

»Was gesagt?« Stirnrunzelnd schaute mich der Thronfolger an.

»Der Wagen! Die Räuber sagten gestern, sie wollten einen Wagen mitbringen, um die Schätze besser abtransportieren zu können.«

»Ja und?«

»Ich habe aber keine Wagenspuren gesehen! Sie müssten im Sand ganz deutlich zu erkennen sein.«

»Was schließt du daraus?« Das Gesicht von Thutmosis sah nachdenklich aus.

»Ja, was schließe ich daraus?«, wiederholte ich seine Worte. »Der Wagen ist noch nicht da. Wenn er nachher kommen sollte, müsste es für uns problemlos sein, die Stelle am Grab zu finden, wo die Räuber eingestiegen sind. Ich denke, der Wagen wird einfach davor halten, damit er beladen werden kann. Sie werden die gestohlenen Sachen nicht weit durch die Gegend tragen wollen, sondern so schnell wie möglich aufladen, um den Wagen, den man schlecht verstecken kann, wieder wegzubringen.«

»Mann, du hast eine direkte Art, etwas zu sagen.« Thutmosis schaute mich grinsend an. »Hat man dich nicht gelehrt, wie man mit dem Kronprinzen spricht?«

Ich holte schon Luft, um ihn zu fragen, ob er, was den Wagen anbetrifft, etwa anderer Meinung sei. Zum Glück winkte er ab und meinte: »Es ist in Ordnung, wie du berichtest. Vielleicht verbeugen sich andere Menschen zu sehr vor mir und vergessen dabei, dass sie ihren Verstand gebrauchen sollten. Ich befehle dir hiermit: Bleibe bei deiner geradlinigen Art und sage, was du denkst. Ich weiß es zu schätzen!« Er grinste leicht. »Allerdings solltest du bei meiner Tante Hatschepsut nicht so reden. Sie legt großen Wert auf Etikette. Bei Senmut weißt du ja Bescheid. Du kennst ihn besser als ich. Oder?«

Was sollte ich dazu sagen? Seinen Worten und dem Ton nach, wie er es sagte, entnahm ich, dass er auf beide nicht so gut zu sprechen war.

Er schien keine Antwort von mir erwartet zu haben. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: »Wir ändern unseren Plan wie folgt: Es bleibt bei den beiden Gruppen. Aber das gegenseitige Informieren geschieht erst, wenn eine der Gruppen den Wagen kommen sieht. Schau, siehst du drüben den Berg? Wenn der Mond über diesem Berg steht, ist es Mitternacht. Sollte der Wagen bis dahin nicht gekommen sein, gehen wir so vor, wie wir es zuerst besprochen haben. Also, mach dich auf den Weg und sei vorsichtig.«

Beim Zurückgehen dachte ich: Er hat eine Gabe wie Mat. Sofort eine Situation zu erfassen und blitzschnell Schlüsse ziehen und dann seine Befehle erteilen.

Ich erklärte Intef die neue Situation. Wir mussten bis zur völligen Dunkelheit warten, ehe sich etwas tat. Intef hörte zuerst das Geräusch. Langsam kam es näher.

Tatsächlich, es waren sogar zwei Wagen, die von je zwei Pferden gezogen wurden. Intef winkte uns zu und wir schlichen hinter den Wagen her. Sie fuhren am Grabeingang vorbei. Nach ein paar Schritten hielten sie an. Wir hatten vereinbart, dass wir uns gegenseitig informieren sollen, wenn wir den Wagen sehen. Ich flüsterte es Intef zu.

Er schüttelte den Kopf und sagte leise: »Um zur anderen Gruppe zu kommen, müssen wir an den Wagen vorbei. Es ist ein unnötiges Risiko. Thutmosis hat sie bestimmt bemerkt. Wir kennen uns gut genug, um ohne Absprache gemeinsam vorzugehen.«

Ich nickte, einerseits weil ich ganz seiner Ansicht war, andererseits weil ich mich nicht noch mehr hervortun wollte.

Hinter Felsbrocken versteckt warteten wir ab, was sich drüben bei den beiden Wagen weiter abspielte. Lange Zeit tat sich nichts und unsere Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt.

Plötzlich sahen wir einen kleinen Feuerschein. Es kam jemand mit einer Fackel zum Wagen. Dann erschien eine zweite und dritte Fackel.

Intef winkte uns zu und wir gingen leise auf die Lichter zu.

Beim Herangehen sahen wir, dass noch mehr flackernde Lichter aufgetaucht waren. Intef hatte unsere Gruppe so eingeteilt, dass Thotmes und ich zum Schluss gehen mussten. Wir waren keine Soldaten und er wollte uns schützen. Wir waren nicht mehr weit entfernt und konnten teilweise die Plünderer sehen, als ein großes Geschrei losbrach. Das war Thutmosis’ Gruppe!

Sie mussten fast gleichzeitig wie wir losgegangen sein. Im selben Moment schrien auch wir los und stürzten auf die Räuber zu. Durch die leuchtenden Fackeln konnten wir gut erkennen, wer Freund oder Feind war. Die Diebe waren so überrascht, dass sie nicht einmal die Zeit hatten, um an ihre Waffen zu kommen.

Den Soldaten war es egal. Sie nahmen ihre Schwerter und ich konnte die Geräusche hören, wenn sie damit einen der Ganoven trafen. Zu unserem Schreien kamen jetzt die Schmerzensschreie der Verletzten. Es war ein fürchterlicher Lärm.

Einer der Banditen hatte es geschafft, durch die Soldaten hindurch bis zu Thotmes und mir zu kommen.

Wir stürzten uns auf ihn, denn wir hatten nach der langen Zeit der Anspannung mit den Soldaten laut losgeschrien und waren kampfbereit. Wir rangen mit ihm. Es war gar nicht einfach, ihn festzuhalten, denn er schlug ohne Rücksicht zu und traf genau mein Auge. Das machte mich wild und ich schlug, egal wohin, zurück.

Wir waren zu zweit und ziemlich kräftige Kerle. Nach und nach wurde sein Widerstand schwächer und wir konnten ihn am Boden festhalten.

In dem Moment kam einer der Soldaten und wollte mit sei-nem Schwert auf den Räuber einschlagen.

»Halt!«, schrie ich. Denn nach meinem Wutanfall, den ich durch den Schlag auf mein Auge bekommen hatte, war ich wieder zu Verstand gekommen.

»Warte, lass ihn! Bring uns einen Riemen, womit wir seine Arme und Beine fesseln können.«

Tatsächlich gehorchte er. Ich hatte gesehen, wie unsere Soldaten auf die Räuber eingeschlagen hatten. Meine Zweifel, ob von ihnen welche überlebt hatten, waren groß. Mir war eingefallen, dass es wichtig war, Gefangene zu machen, um von ihnen Informationen zu bekommen.

Der Soldat brachte uns ein paar Riemen und wir banden unseren Gefangenen an Armen und Beinen fest. Er wehrte sich nicht mehr. Seine Augen waren starr zur Seite gerichtet und ich folgte seinem Blick. Nicht weit von uns lagen drei seiner Kumpanen. Das heißt, was von ihnen übrig geblieben war.

Die Soldaten hatten sie buchstäblich in Stücke geschlagen. Ich glaube, er hatte einen Schock, denn er starrte nur angsterfüllt zu den gespenstisch aussehenden, vom flackernden Licht der Fackeln beleuchteten Körpern hinüber. Es war plötzlich ganz ruhig. Der Kampf war vorbei.

Intef kam zu uns herüber.

»Ist bei euch alles klar? Ah, ihr habt einen Gefangenen gemacht. Gut! Wie ich es in der kurzen Zeit erkennen konnte, sind alle anderen tot.«

»Alle?«, fragte ich erschrocken. »Warum habt ihr keinen am Leben gelassen? Wir brauchen sie, um etwas von ihnen zu erfahren.«

»Schweig!«, fuhr Intef mich an. »Lass das nicht Thutmosis hören. Er hat angeordnet, dass alle getötet werden. Es soll eine Abschreckung für andere Grabräuber sein. Einem zukünftigen Pharao widerspricht man nicht.«

Also schwieg ich, obwohl ich empört war. Intef hatte mich noch nie so angefahren, vielleicht war er selbst mit diesem Befehl nicht einverstanden. Er sagte aber nichts dergleichen.

Ich ging zu den Wagen, um zu sehen, ob die Räuber schon etwas aufgeladen hatten. Es standen fünf Säcke auf dem Wagen. Ich schaute in einen hinein. Es glänzte und blitzte im Schein der Fackeln. Ich sah goldene Teller und Becher, kunstvoll gefertigte Figuren und andere wertvolle Dinge. Ich wusste inzwischen, dass ein Pharao bei seinem Tod unermessliche Schätze mit in sein Grab bekam. Nach dem Glauben der Ägypter würde er die Gegenstände, die er bisher gebraucht hatte, auch in seinem zweiten Leben nach dem Tod benötigen.

Ich hatte nichts gehört, so vertieft war ich in dem Anblick dieser Schätze, als Thutmosis unverhofft neben mir stand.

»Machst du dir etwas aus solchen Sachen?«

Ich schüttelte meinen Kopf. »Dort, wo ich geboren bin, braucht man so etwas nicht.«

Er ging nicht darauf ein und sagte mehr zu sich selbst: »Das Grab meines Vaters zu schänden. Ich könnte vor Wut noch einmal mit meinem Schwert auf die Räuber losschlagen.«

»Sie sind bereits tot«, sagte ich ganz erschrocken vor dem kalten, wütenden und trotzdem beherrschten Zorn.

Um ihn abzulenken, fragte ich: »Haben wir denn alle erschlagen?«

Sein dunkler Blick wurde klarer. »Ich vermute es. Genau können wir es erst morgen, wenn es hell ist, feststellen.«

Er ging weiter zu Intef. Ich schaute mich um. Es war schrecklich. Körper ohne Kopf und Gliedmaße. Einigen hatte man die Bäuche aufgeschlitzt und eine Masse quoll daraus hervor. Ein seltsamer Gestank verbreitete sich. Mir wurde ganz komisch und ich musste schnell zur Seite gehen, denn mein Magen rebellierte und ich musste erbrechen.

Die Soldaten, die es sahen, lachten und riefen: »Das hat man nur beim ersten Mal! Man gewöhnt sich daran.«

»Ich sicher nie«, schnaufte ich. »Niemals!«

Intef rief die Soldaten zur Ordnung. »Räumt auf. Schafft alles zur Seite. Macht drüben ein Feuer. Wir lagern hier bis morgen früh.«

Ich hatte nur einen Gedanken, mich hinzulegen und versuchen zu schlafen. Mir war furchtbar schlecht. Thotmes half mir und deckte mich zu. Im Hintergrund hörte ich die Stimmen der Soldaten und bekam mit, dass sie ein Feuer angezündet hatten, um sich eine Mahlzeit zu machen. Wie können die essen und warum wird es Thotmes nicht schlecht?, dachte ich. Dann war ich eingeschlafen.