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Ich ging durch die Tür in das Wohnzimmer. Da sah ich sie quer auf einem Sessel liegen, unscheinbar und nicht in der Lage, Männern reihenweise den Kopf zu verdrehen. Sie trug eine alltagsgraue Kluft an ihrem Körper. Sicher waren dies die Klamotten, die sie für die Arbeit im Restaurant am bequemsten fand. Ich sah zu meinem Freund herüber und starrte ihn ungläubig an.
"Wo ist sie denn nun, deine Tante?" fragte ich. Er meinte, er müsse sie mir unbedingt vorstellen.
"Da sitzt sie doch", kam es aus seinem Mund und zeigte in Richtung der Fenster, wo das Sofa stand. Zunächst begriff ich nicht, ob er es ernst meinte. Doch im Hinblick auf die Tatsache, daß nur wir drei uns in dieser Wohnung befanden, mußte sie es wohl sein, obwohl ich den Eindruck hatte, daß sie noch keine achtzehn war. Als ich sie schließlich fragte, wie alt sie sei, kam ein schüchternes "sechzehn" über ihre Lippen.
Um meiner Verwirrtheit Klarheit zu verschaffen, ließ ich mir die Lage erklären. Dies war die jüngere Schwester seiner Stiefmutter, die mal gerade 25 war. Damit konnte ich etwas anfangen. Aber trotzdem wollte ich die Bücher schnappen, für die ich eigentlich gekommen war, die sein Vater mir versprochen hatte, und dann verduften. Doch erstens waren weder die Bücher noch der Vater zu finden, ferner wunderte sich Floh, wie ich ihn nannte, weil er so klein war, daß ich mit seinem Daddy telefonierte und einen Termin ausmachte. Freiwillig hätte das sonst niemand getan. Floh hielt mich zurück, meine Jacke anzuziehen.
"Sieh sie dir doch erst mal an." Na ja, ich tat es, aber ich konnte nicht sagen, daß sie schön aussah. Bei einer Misswahl könnte man sie glatt übersehen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie sie vielleicht ohne diesen Dress aussehen würde, in engen Jeans mit einem enganliegenden knallgelben Top, zurückgekämmten Haaren und einer Sonnenbrille. Es war völlig egal, wie sie hier herkam. Hauptsache, die Kleine war in diesem Augenblick in diesem Zimmer. Ich mochte sie irgendwie, trotzdem. Ihr Name klang nicht so, als wäre sie eine ganz zarte, gemütliche Person, doch was sagt ein Name schon aus.
Cornelia hieß sie. Sie richtete sich auf, ihre Beine glitten über die Lehne.
Wir gingen in Flohs Zimmer. Es ähnelte allerdings eher einer Rumpelkammer, aber angeblich wollte er gerade alles neu einrichten. An der Decke hing an zwei dicken Bändern eine Stange, "für Klimmzüge", sagte er.
Ich verschlang dieses Wesen, was sich jetzt neben mich setzte und seine Tante war, mit den Augen. Ich fand, daß jede ihrer Bewegungen von erotischer Ausstrahlung war. Wenn ich sie zufällig berührte, wurde ich halb wahnsinnig.
Vielleicht war Cornelia aber auch eines von den Mädchen, die mir nach ein paar Wochen auf die Nerven gehen würden. Das mußte ich herausfinden.
Ich war in einem dermaßen fieberhaften Zustand, daß ich unfähig war, mir auch nur in ungefähr vorzustellen, wie sie über mich dachte.
Wenn ich es mir genau überlegte, hatte ich ursprünglich vor, mich ein bißchen zur Ruhe zu setzen nach den Ereignissen der letzten Wochen. Ich hatte an einem Schüleraustausch teilgenommen, meine Familie betreute eine Engländerin. Ich unternahm viel mit der ganzen Gruppe. Es waren noch ein paar mehr in der Stadt. Nicht, daß ich mich in eine Engländerin verliebt hatte nein, es waren gleich zwei. Hinzu kam noch, daß ich zu dem Zeitpunkt eine Freundin hatte. Außerdem ging ich noch kurze Techtelmechtel mit zwei deutschen jungen Mädchen ein. Das alles flog in zwei Wochen an mir vorbei. Ich hatte eine sehr aktive Phase. Auch wenn ich mir mit diesen vier Mädels ziemlich viel Ärger mit Eifersucht und Drohungen verschaffte, blieb dennoch eine davon in Freundschaft zurück. Ihr Name war Alexandra.
Eigentlich hatte ich Grund genug, erst einmal tief durchzuatmen, bevor ich mich wieder Hals über Kopf in eine Beziehung stürzte. Doch jetzt saß ich hier im Zimmer mit meinem Freund und dieser Kleinen, die mich verrückt machte.
Er ließ keine Ruhe, er redete so lange auf mich ein, bis ich bereit war, mir von ihm ein paar neue Platten anzuhören. Am liebsten hörte er Die Ärzte.
"Du liebst ihn nur, weil er ein Auto hat und nicht, wie ich, ein klappriges Damenrad. Eines Tages werde ich mich rächen..."
Das Ganze spielte auf einer Paar-Hundert-Mark-Selbstbau-Anlage mit voller Lautstärke, total übersteuert. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich unglaublich heftige Kopfschmerzen. Diese Lady und ich, wir konnten ihn überreden, das Ding leiser zu stellen.
"He, was ist los mit dir, bist nicht gut drauf heute, was?" fragte Floh.
"Ich bin genervt und schlecht gelaunt, nichts weiter", entgegnete ich.
"Mann, stell dich nicht an, schließlich habe ich Besuch." Das klang beinahe so, als würde er genau wissen, in welcher Stimmung sich dieses Geschöpf befand, so daß er leicht über ihren Kopf hinweg bestimmen konnte.
"He, laß uns ein Duell machen. Ich möchte sehen, wer die meisten Klimmzüge schafft. Hep!"
Floh hing sich an diesen Balken. Ich dachte, die Decke würde einstürzen. Schließlich war es sein eigenes Werk. Da mußte man vorsichtig sein.
"Los, Conny, mach mit", sagte er. Soso, die Kleine hatte also Conny als Spitznamen. Sie schüttelte den Kopf.
"Ich glaube nicht, daß du mehr schaffst als ich", sagte er.
"Scheiße, nerv nicht. Also gut, und du meinst, das Ding hält, ja?"
Beinahe hatte ich Schwierigkeiten, überhaupt die Stange zu erreichen, doch ich schaffte es. Er zerrte an mir herum und stieß mich in alle Himmelsrichtungen.
Dieser Idiot mußte verrückt sein. Dabei konnte ich mich unmöglich festhalten. Das mußte ich auch nicht mehr. Denn innerhalb kürzester Zeit riß eine Seite von der Decke. Das Tau zog an meinem Hals vorbei, und ich stürzte zu Boden. Ihm fiel nichts Besseres ein, als sein idiotisches, beschissenes Lachen aufzusetzen. Cornelia fand das überhaupt nicht komisch. Sie beugte sich über mich, spendete Trost und warf Floh strenge Blicke zu.
"Bist wohl vollkommen übergeschnappt, oder?" meinte sie.
"Du verdammter Penner, findste witzig, ja?" sagte ich. Er hatte ein Einsehen und holte eine Creme. Entschuldigt hat er sich nicht. Warum auch? War ja in seinen Augen nicht seine Schuld, sondern das Ergebnis seiner idealen Konstruktion. So war sein Denken. Dabei war er ja derjenige, der es gebaut hatte. Er glaubte sogar, ich hätte zu doll daran gerissen. Was solls. Wenn diese Süße nicht dagewesen wäre, er hätte den Sturz aus dem Fenster nicht überlebt.
Mir fiel in dem Augenblick ein, daß sie ja mit ihm verwandt war. Der Gedanke daran ließ Schauer in mir aufkommen. Hinterher stellte ich fest, daß mir bei der ganzen Aktion noch ein Knopf aus dem Hemd gerissen war. Er stand noch einmal auf und holte Nähzeug. Mir wärs lieber gewesen, er hätte einen Krankenwagen geholt. Conny schrie leise auf.
"Meine Güte, guck mal, was er mit dir gemacht hat." Sie zeigte auf meinen Hals, an dem von diesem Band eine lange, tiefe Stelle zu erkennen war. Ich schaute in den Spiegel und mußte mich eine Weile setzen. Dieser Anblick, diese Wunde. Ich dachte nur, wo ist dieser Typ, den ich gleich umbringen werde. Er kam ins Zimmer mit Nähutensilien. Er lachte dabei.
Cornelia hielt mich vor Untaten zurück. Sie nahm das Nähzeug an sich und begann den Knopf zu befestigen, während ich meinen Hals mit dieser Masse eincremte. Sie schwang die Nadel an meiner Hand vorbei. Ihre Berührungen könnten mein Leben verändern, dachte ich. Denn jedesmal durchzuckte ein Blitz meinen Körper wie ein leiser Stromschlag. So war es gewesen, und in meinem Bauch baute sich eine Ameisenarmee auf.
Ich merkte, wie der Schmerz ein bißchen nachließ, nur ein bißchen. Floh sah voller Spannung zu uns rüber. Cornelia nahm mich in Schutz und redete immer wieder auf ihn ein. Ich fühlte mich mit ihr wie Bruder und Schwester, richtig vertraut. Er nannte uns sogar Turteltauben.
Ich schwebte nur so durchs Zimmer. Ein unverkennbares Zeichen. Doch ich überstürzte nichts. Ich ließ sie zu Ende nähen.
Ihre Zeit war knapp bemessen. Es war nur ihre Mittagspause. Wir brachten sie zur Arbeit. Fast kam sie zu spät. Man merkte, es fiel ihr nicht leicht, sich zu verabschieden und im Restaurant die Schürze umzubinden. Sie erzählte nichts Gutes von diesem Schuppen.
Das nächste Date war natürlich vorher im Kasten. Ich nutzte jede ihrer Mittagspausen, soweit ich konnte.
An einem Samstag hielt ich mich mit diesem blöden Floh mehrere Stunden im Restaurant auf. Der Chef war nicht da. So etwas ist immer die beste Möglichkeit. Es kam mir vor, als würde mein Herz lauter schlagen als sonst. Ich registrierte jede Bewegung. Manchmal fragte ich mich, ob ich eigentlich bekloppt gewesen sein mußte an diesem Tag. Wie läßt es sich sonst erklären, daß mich eine graue, frittierfettduftende Landpomeranze so in den Bann zog. Heute war es genauso. Ich ließ sie keine Sekunde aus den Augen. Ich bekam Angst. Wenn mich jedesmal ohne meinen Einfluß etwas von außen in so eine Sache reindrängen würde, wo ich doch vielleicht schönere Frauen haben könnte, könnte das noch schlimm werden in Zukunft.
Wenn sie Pause hatte oder Zeit fand, setzte Cornelia sich auf meinen Schoß. Es war das Größte. Ich stampfte jedesmal vor Freude mit den Füßen auf den Boden. Floh stichelte solange an ihr herum, bis sie richtig wütend wurde. Ich verteidigte sie, so gut ich konnte. Sie wußte es zu schätzen. Auch wenn ich mittags schon zu Hause war, langweilig wurde es nie. Meine Gedanken kreisten ständig um dieses Weib und dieses Restaurant.
An einem Nachmittag holte ich sie von der Arbeit ab, und wir gingen zu Floh. Er wohnte nicht weit entfernt, sie aß dort hin und wieder. Leider war niemand da. Derweil saßen Cornelia und ich auf der Treppe vor der Haustür und warteten. Wir lasen in ihrer Mädchenzeitschrift, redeten kaum ein Wort, saßen nur da und verkrochen uns in Zurückhaltung.
Dann gingen wir, er würde wohl nicht mehr kommen. Auf dem Weg ins Restaurant, sie mußte noch eine Abendschicht schieben, kam uns dieser Trottel entgegen.
"Na, wo seid ihr gewesen?" fragte er.
Ich konnte es nicht fassen, der Kerl hielt sich wohl fürn Witzbold.
"Tschüß, wir sehen uns denn übermorgen bei mir, ok?" sagte sie, trat näher auf mich zu und gab mir einen zärtlichen Kuß. Kein noch so langes Zungenspielchen konnte mit diesem Schmatzer mithalten. Er war ein Anker auf dem Weg zu meinem Herzen.
"Hui, na, bist jetzt verliebt?" fragte Floh. "Kannst mir dankbar sein, daß ich euch zusammengebracht habe, gell?"
Ich schüttelte nur den Kopf, schwang mich auf mein Rad und düste im Regen nach Hause. Bei so einem Ereignis sollte doch eigentlich die Sonne scheinen. Egal, sie schien in mir, das reichte. Ich war zufrieden.
*
Nur ein paar wenige Sachen packte ich ein, als mein Daddy mit mir 10 Kilometer von uns aufs Land fuhr. Es war Samstag. Ich sagte ihm, daß da heute Abend eine Party sei, es könne später werden. Auf dem Weg dorthin prägte ich mir alles Wichtige ein, Bushaltestellen, Kreuzungen und so weiter. Damit es leichter werden würde, sollte ich diese Straße jemals alleine entlangfahren.
Cornelia wohnte in einem großen Gasthof, zusammen mit ihrer Mutter. Gutes Essen war mir sicher. Cornelia empfing mich mit einem breiten Lächeln, mein Vater grinste auch, wahrscheinlich ahnte er etwas.
"Dann viel Spaß, bis nachher", sagte er und fuhr los. Hier herrschte eine Ruhe wie an einem Kurort. Das kam wohl daher, daß der Gasthof noch nicht so voll war. Zwei Autos standen nur hier. Sicher kamen die meisten Leute zu Fuß hierher. Im Eingang rannte ein mittelgroßes, zotteliges Plüschtier auf mich zu und kläffte mich an.
"Wart hier mal einen Augenblick", sagte Cornelia. Sie redete ein paar Brocken mit ihm, faßte ihn am Halsband und schaffte ihn ins Nebenzimmer. In der Zwischenzeit sah ich mich ein bißchen um. Sah ganz gemütlich aus beim ersten Hinsehen. Sie erfüllte meine Neugier, indem sie mich durch die Räumlichkeiten führte. Sie ging am Ende des Ganges ein paar Stufen hoch und öffnete die Schiebetür. Ein riesiger Ballsaal lag vor mir. Am Ende eine kleine Bühne, rechts eine Bar und überall jede Menge Tische und Bänke. Ich stand da mit hinter dem Rücken verschränkten Händen. Sie saß jetzt am Klavier.
Ich glaube, sie spielte "frère Jacque", nichts Schweres. Sie deutete lediglich an, daß sie mit dem Ding umgehen konnte. Die Führung ging weiter durch die Küche, wo ihre Mutter uns freundlich "Tag" sagte und mit Lebensmitteln hantierte. Vorne an der Kneipe tranken wir uns erst einmal ein Glas Orangensaft. Sie erzählte von ihrem verstorbenen Vater und diesem Schuppen.
Die Führung endete im ersten Stock in ihrem Zimmer. Man hatte von hier oben eine wunderbare Aussicht. Man konnte genau auf den kleinen Supermarkt und auf den Friedhof sehen. Sie hatte ihre Bude gut eingerichtet. In einem Regal standen einige Bücher, von Pferden und Jugendbanden, ein Sparschwein und Messingteile für einen Setzkasten. Sogar eine Kompaktanlage mit 10-Watt Boxen fehlte nicht. Ihre Plattenauswahl von zehn Stück reichte von der Nußknackersuite bis zu Cliff Richard. Bunt gemischt war es schon, das mußte man ihr lassen. Und sie wußte sogar, wie man den Plattenspieler bediente.
Ihre Klamotten glänzten heller als an den anderen Tagen. Sie mußte heute nicht arbeiten, das war wohl der Grund. Sie trug Jeans, aber nicht eng und auch kein Top, sondern eine weiße Bluse. Der Kragen sah aus wie die Enden einer Tischdecke.
Meistens aber sah ich Cornelia nur ins Gesicht, in ihre braunen Locken und den anderen Rest. Nach einer Platte machte sie das Radio an. Sie spielten ein Stück von Black, ich dachte nur, die CD mußt du dir kaufen. Ich döste vor mich hin. Augenblicke zogen an uns vorbei mit absoluter Funkstille. Das ließe sich leicht abändern. Wir schmusten und streichelten uns und griffen ständig ausgiebig nach irgendwelchen Körperteilen.
Es wurde Abend. Zwischenzeitlich wechselten wir ins Wohnzimmer über, wo sie mir ein paar Kekse anbot. Ich war zufrieden, wirklich zufrieden. Es schien gut zu laufen, auch in Zukunft. Aber diese Prophezeiung hatte ich mir schon oft gegeben. Ich rief zu Hause an, und mein Daddy holte mich ab.
"War das deine Freundin?" fragte er.
"Sie könnte es leicht werden!" sagte ich ihm mit ernster Miene. Er sagte die ganze Fahrt über nichts mehr.
Zu Hause stürzte ich sofort zum Telefonhörer, um ihr eine gute Nacht zu wünschen und den nächsten Termin festzulegen. Sie sagte, in dieser Woche müsse sie unheimlich viele Überstunden schieben. Sie sei sehr beansprucht. Ich ahnte es: zuerst mit Zärtlichkeiten Vorrat schaffen und dann erst mal Pause machen und mich hängen lassen. Nach einer gewissen Zeit stellte ich fest, daß diese Befürchtungen unbegründet waren. Wir sahen uns nicht oft, aber wir waren in Kontakt.
Irgendwann fing sie an, von ihrem Leben zu erzählen. Es klang wie aus einem Drama.
Der 1. Akt handelte davon, daß sie im früheren Alter Kinderlähmung hatte oder so was in der Art. Es war eine seltene Serumkrankheit. Wie durch ein Wunder oder vielleicht auch mit Hilfe von vielen Ärzten schaffte sie es innerhalb weniger Jahre, dies hinter sich zu lassen.
2. Akt: Sie litt schwer darunter, die kleine Schwester zu sein. Sie wuchs als letzte von drei Geschwistern auf. Zum ältesten Bruder lagen mehr als zehn Jahre dazwischen. Das machte ihr zu schaffen.
3. Akt: Der Vater starb an Krebs. Sie brauchte lange, es zu überwinden.
Und zum Abschluß des Ganzen trat ich jetzt in ihr Leben.
Ich hatte ein schweres Los. Viel wärmte sie nicht direkt davon auf, das meiste verdrängte sie. Doch schon bald mußte sei noch einmal in die Klinik für irgendwelche Versuche, sie schrie jedesmal wie am Spieß, wenn wir uns verabschiedeten und mußte Hunderte von Kanülen und Medikamenten über sich ergehen lassen. Sie machten sie richtig kaputt, meine Cornelia. Sie heulte jeden Tag, wie sie erzählte. Jedem Arzt hätte ich persönlich ins Gesicht getreten, wenn auch nur der kleinste Fehler gemacht worden wäre. Es ging bei einer Operation um ihr Rückenmark. Das mußte ausgetauscht werden. Nicht von Pappe, dieser Eingriff. Sie hätte auch draufgehen können. In Lebensgefahr schwebte sie allerdings nie.
Was die Prozedur mit sich brachte, war, daß man Cornelia so mit Medikamenten vollpumpte, daß sie ab sofort keine Antibiotika mehr nehmen durfte. Ferner waren sich die Ärzte nicht sicher, ob es endgültig vorbei wäre. Jederzeit könnte sie einen Rückfall erleiden. Es waren glänzende Aussichten.
Und kein Arzt wollte die Verantwortung für die Verschreibung der Pille übernehmen. Komplikationen wie eine eventuell wiederauftretende Lähmung wären durchaus möglich.
Ich weiß nicht einmal, ob es nur Liebe war was mich dazu trieb, bei ihr zu bleiben, oder ob nicht auch ein gewisser Teil Mitleid vorhanden war.
Wir setzten uns zusammen und redeten über unsere Beziehung.
"Weißt du, wie lange wir jetzt schon zusammen sind?" fragte sie mich.
"Ja, genau neuneinhalb Wochen, richtig?" fragte ich zurück. Sie nickte.
Ich sah diesen Kinofilm mit Mickey Rourke und Kim Basinger mindestens dreimal bis jetzt. Sie kannte ihn erst, nachdem wir ihn uns gemeinsam angesehen hatten, weil ich sie dafür begeistern konnte. Dieser Film übte einen ganz besonderen Reiz auf mich aus. Manchmal lebte ich sogar den Charakter des Hauptdarstellers aus.
"Hoffentlich ist es jetzt nicht aus", sagte ich und lachte ihr entgegen. In dieser Nacht schlief ich bei ihr, neben ihr, nur im Arm.
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