Robert Cias
Sex in Berlin
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JULIANE
..... Es regnete leicht und es stellte sich für einen kalten, ungemütlichen Märzabend der Drang ein, möglichst rasch ins Warme zu gelangen. Nur nochmals schnell über die Straße, dann wenige Meter und schon war ich an der Schule angelangt.
Die große graue Tür war offen, somit hatte ich mich wohl nicht im Haus geirrt. Ich trat ein paar Schritte in den Flur und suchte in meiner Tasche den ausgedruckten Zettel mit der Zimmernummer heraus. Sooft ich mir derartige Dinge auch versuche einzuprägen, wenn ich dann vor Ort bin, muss ich erneut nachschauen. Als wenn da irgendjemand zwischenzeitlich vorsätzlich auf meiner Festplatte versucht hat, Daten zu löschen.
In dem Moment wurde die Tür geschwind aufgedrückt und herein kam sie. Wie ich kurze Zeit später erfahren konnte, hieß sie Juliane und arbeitete in irgendeinem Landesamt in Potsdam. Ungefähr einen Meter achtzig groß, schlank, aber nicht hager, mit einer blonden Löwenmähne. Sie funkelte mich mit blauen Augen an und hatte dabei den Blick einer jungen Löwin, die gern zum Spielen einlädt.
Ihr Outfit: ein schwarzer Kurzhaarmantel, schwarze Stiefel mit Stulpen über den Knien. Der klassische Vamp!
Da Juliane etwas zu stürmisch durch die Tür kam, war sie etwas ins Rutschen gekommen und so war der Icebreaker ein schlichtes befreiendes Lachen, das aus tiefstem Herzen kam und die sehenswerte Slapstick-Einlage umrahmte.
Ich hielt sie am Arm fest, damit sie nicht fiel.
»Hey, Vorsicht!«, belustigte ich mich, denn fast hätte sie mich umgerissen.
»Oh sorry! Ist das glatt hier drinnen. Puh! Danke!«
»Ich will zum Englischkurs bei einem Herrn Kuno.«
Und da Juliane - wen wundert das jetzt tatsächlich noch - denselben Sprachkurs wie ich besuchen wollte, gingen wir nicht nur gemeinsam auf die Suche nach dem Raum, sondern setzten uns dort gleich nebeneinander und flirteten was das Zeug hielt.
Erklären kann ich das nicht. Bei Goethe hieß es dazu einfach, dass es eine Chemie zwischen den Menschen gebe, die passen müsste. Und, weiß ich mehr als Goethe?
Und so dauerte es nur bis zum abendlichen Kursende, bis ich ihre Mailadresse und Telefonnummer besaß und wir beide wussten, dass wir uns fortan intensiver beschnuppern würden.
Gelegenheit ergab sich bereits Anfang der folgenden Woche. ....
KATHARINA
Staatssekretär Dr. Carlo, ein ehemaliger Vorgesetzter von mir, mit dem ich eine Zeitlang oft eng zusammenarbeiten musste, war es, der mir eine Maßgabe fürs Leben mit auf den Weg gab. Er selbst, ein kleiner Mann im besten Alter, der sich dem aufgesetzten Charme eines Kleinstadtcasanovas verschrieben hatte, war frisch geschieden und hinter jedem Rockzipfel her, der ihm vor die Flinte geriet. So manchen Abend musste sein Chauffeur vor den In-Lokalitäten des Bundes und der Stadt warten, weil der alte Carlo auf Freiersfüßen wandelte. Und, der Neid muss es zugeben, er war wohl nicht erfolglos. So manches Telefonat konnte ich mit seinen >Mäuschen< mithören, bei dem nicht mal mehr der Chauffeur rot wurde.
Carlo also war es, der mir bei passender Gelegenheit den Tipp gab, nie und unter gar keinen Umständen etwas mit einer Kollegin anzufangen. Das brächte nichts als Unruhe ins Team, so lange die Liebschaft läuft. Geschwätz käme auf, das die eigene Reputation höchstens untergräbt, statt sie zu fördern. Und wehe, die Affäre ist vorbei, da warten bereits die Heckenschützen im Kollegenkreis auf ihren Auftritt. Bündnisse ungeahnten Ausmaßes könnten entstehen.
Im Ergebnis seien diese Liaisons immer mit einer negativen Bilanz versehen und vor allem dem eigenen beruflichen Fortkommen hat man keinen guten Dienst erwiesen. Da es außerhalb des Büros sicherlich die eine oder andere geben müsste, die auf einen abfallen könnte, sollte man sich im Kollegenkreis eine eiserne Disziplin auferlegen.
Bis heute rätsel ich, warum Carlo mir damals diesen Rat gab. War es nur seine affektierte Eitelkeit, die sich fortan damit beschäftigte, sich selbst interessant zu machen, oder - um es mit einem geflügelten Wort auszudrücken - erkannte er seine Schweine am Gang? Aber ich gebe es zu, diesen Tipp habe ich mir doch zu Herzen genommen und bislang bin ich dieser Maxime treu geblieben. Zumindest, wenn ich den engen Kolleginnenkreis in meinem Ministerium als No-Go-Area proklamierte. ....